Weinlese
Gerade im September gehören Weinlese und Federweißer für viele zum Herbstanfang wie buntes Laub und die ersten kühleren Abende. Doch was macht diese Zeit eigentlich so besonders?
Wenn die Trauben reif sind
Monatelang haben die Reben Sonne getankt. Nun entscheidet sich, wann der richtige Zeitpunkt für die Ernte gekommen ist.
Je nach Rebsorte, Wetter und gewünschtem Wein beginnt die Lese zu unterschiedlichen Zeiten. Früh reifende Trauben können bereits im Spätsommer geerntet werden, andere bleiben deutlich länger am Rebstock.
Für Winzer bedeutet die Weinlese intensive Arbeit. Schließlich sollen die Trauben möglichst zum optimalen Zeitpunkt in den Keller gelangen. Vieles wird heute maschinell geerntet, doch besonders für hochwertige Weine oder in steilen Weinbergen spielt die Lese von Hand weiterhin eine wichtige Rolle.
Vom Traubensaft zum Wein
Nach der Ernte beginnt der nächste spannende Teil. Die Trauben werden verarbeitet und der gewonnene Most beginnt zu gären.
Hefen wandeln dabei den natürlichen Zucker der Trauben nach und nach in Alkohol um. Und genau in dieser Phase entsteht ein Getränk, auf das sich viele jedes Jahr freuen: Federweißer.
Er ist also streng genommen noch kein fertiger Wein. Stattdessen befindet er sich mitten in der Gärung – und verändert sich dadurch ständig.
Was ist eigentlich Federweißer?
Federweißer wird aus frisch gepresstem Traubenmost hergestellt. Sobald die Gärung begonnen hat, kann er bereits getrunken werden.
Seinen Namen verdankt er vermutlich den kleinen Hefeteilchen, die im Getränk schweben und an winzige Federn erinnern. Je nachdem, wie weit die Gärung fortgeschritten ist, schmeckt Federweißer unterschiedlich.
Ganz frisch ist er meist süß und erinnert noch deutlich an Traubensaft. Mit jedem weiteren Tag wird mehr Zucker in Alkohol umgewandelt. Dadurch wird er trockener und gleichzeitig alkoholreicher.
Genau das macht seinen besonderen Reiz aus: Federweißer schmeckt nicht jeden Tag gleich.
Zwiebelkuchen gehört einfach dazu
Wer Federweißer sagt, muss fast automatisch auch Zwiebelkuchen sagen.
Die Kombination aus dem süßlich-fruchtigen Getränk und dem herzhaften Kuchen gehört in vielen Weinregionen fest zum Herbst. Dazu kommt die gemütliche Atmosphäre in Weinstuben, Straußwirtschaften oder bei den zahlreichen Wein- und Straßenfesten.
Es muss aber nicht immer Zwiebelkuchen sein. Auch Flammkuchen oder andere herzhafte Gerichte passen hervorragend dazu.
Warum die Flasche nicht richtig geschlossen ist
Wer zum ersten Mal Federweißer kauft, wundert sich vielleicht über den Verschluss. Die Flaschen dürfen nicht luftdicht verschlossen werden.
Der Grund ist die weiterhin aktive Gärung. Dabei entsteht Kohlendioxid, das aus der Flasche entweichen können muss. Deshalb sollte Federweißer auch immer stehend transportiert und gelagert werden. Eine liegende Flasche im Einkaufskorb kann sonst für eine ziemlich klebrige Überraschung sorgen.
Kühl gelagert verlangsamt sich die Gärung. Wer ihn süßer mag, sollte ihn also rechtzeitig in den Kühlschrank stellen.
Ein Getränk, das zur Jahreszeit gehört
Federweißer ist kein Getränk für das ganze Jahr – und vielleicht ist gerade das sein Geheimnis.
Ähnlich wie Spargel im Frühling oder Erdbeeren im Frühsommer gehört er zu einer bestimmten Jahreszeit. Wenn die ersten Flaschen auftauchen, weiß man automatisch: Der Herbst ist nicht mehr weit.
Gerade in Weinregionen gehört dieses Ritual für viele fest zum September.
Fazit: Wenn der Herbst nach Weinberg schmeckt
Die Weinlese ist weit mehr als nur die Ernte der Trauben. Sie steht für eine Jahreszeit, in der sich die Landschaft verändert, Feste gefeiert werden und ein neues Weinjahr beginnt.
Federweißer ist dabei so etwas wie der erste Vorgeschmack auf das, was aus der neuen Ernte entstehen wird. Noch unfertig, ein bisschen spritzig und nur für kurze Zeit erhältlich.
Und wenn dazu ein Stück warmer Zwiebelkuchen auf dem Tisch steht und draußen die Abendsonne über den Weinbergen untergeht, darf der Herbst eigentlich gerne kommen.


Es wurden keine Kommentare geschrieben.