Wie John Williams Hollywoods Klang erschuf und zum erfolgreichsten Filmkomponisten der Moderne wurde
Los Angeles. Wenn in einem Kino die ersten Töne von Star Wars erklingen, wenn ein Hai mit zwei bedrohlichen Noten näherkommt oder wenn ein kleiner Zauberlehrling mit runder Brille nach Hogwarts reist, dann hört das Publikum nicht nur Musik. Es hört die Handschrift eines Mannes, dessen Melodien Generationen geprägt haben: John Williams.
Mit 26 Grammy Awards und 5 Oscars gehört Williams zu den erfolgreichsten Musikschaffenden der Geschichte. Zwar hält Beyoncé mit 35 Auszeichnungen den Grammy-Rekord, und Walt Disney bleibt mit 22 Wettbewerbs-Oscars der erfolgreichste Oscar-Gewinner aller Zeiten. Doch wenn es um die Verbindung von Filmmusik, Grammys und Oscars geht, steht John Williams in einer eigenen Liga.
Ein Junge am Klavier
Geboren 1932 in New York, wuchs Williams in einer musikalischen Familie auf. Sein Vater spielte Schlagzeug in Jazzorchestern, und schon früh zeigte sich das außergewöhnliche Talent des jungen John. Während andere Kinder Comics sammelten, studierte er Partituren großer Komponisten.
Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen war es, Filmmusik im Radio zu hören und anschließend nachzuspielen. Niemand ahnte damals, dass dieser Junge Jahrzehnte später selbst die berühmtesten Melodien Hollywoods schreiben würde.
Die Begegnung, die Filmgeschichte veränderte
Die vielleicht wichtigste Wendung seiner Karriere ereignete sich Anfang der 1970er Jahre. Ein junger Regisseur namens Steven Spielberg suchte einen Komponisten für einen Fernsehfilm.
Die Zusammenarbeit funktionierte sofort.
Spielberg sagte später scherzhaft:
„Ich mache die Filme, damit John Williams Musik dazu schreiben kann.“
Aus dieser Partnerschaft entstanden Meisterwerke wie Jaws, E.T. the Extra-Terrestrial, Jurassic Park und Schindler's List.
Zwei Noten, die die Welt erschreckten
Eine der bekanntesten Anekdoten stammt von den Dreharbeiten zu Jaws.
Als Williams Spielberg erstmals das Hauptthema vorspielte, bestand es lediglich aus zwei sich wiederholenden Tönen.
Spielberg soll zunächst gedacht haben, der Komponist mache einen Scherz.
Doch genau diese zwei Töne wurden zum musikalischen Symbol für Gefahr. Heute gehört das Thema zu den berühmtesten Filmmelodien aller Zeiten.
Der Klang einer weit entfernten Galaxis
1977 stand Williams vor einer neuen Herausforderung. Ein Science-Fiction-Film namens Star Wars sollte vertont werden.
Zu dieser Zeit war futuristische Musik oft elektronisch und experimentell. Williams ging den entgegengesetzten Weg. Er komponierte eine große, klassische Orchestermusik im Stil alter Abenteuerfilme.
Das Ergebnis wurde legendär.
Als die Zuschauer zum ersten Mal den gewaltigen Eröffnungsfanfaren lauschten, entstand ein musikalischer Moment, der bis heute sofort erkannt wird – selbst von Menschen, die die Filme nie gesehen haben.
Die Geigen von Schindlers Liste
Nicht alle Meisterwerke von Williams sind laut und heroisch.
Für Schindlers Liste schrieb er eine ergreifende Musik voller Trauer und Menschlichkeit. Nach einer Vorführung des Films soll Williams zu Spielberg gesagt haben:
„Du brauchst einen besseren Komponisten als mich.“
Spielbergs Antwort wurde berühmt:
„Die sind alle tot.“
Williams gewann für diese Arbeit seinen fünften Oscar.
Hogwarts und die Rückkehr eines Meisters
Als Anfang der 2000er Jahre die Verfilmung von Harry Potter and the Philosopher's Stone vorbereitet wurde, erhielt Williams erneut den Auftrag, eine neue Welt musikalisch zum Leben zu erwecken.
Das daraus entstandene „Hedwig's Theme“ wurde praktisch zur offiziellen Klangfarbe des gesamten Harry-Potter-Universums.
Bemerkenswert: Viele Fans glauben bis heute, das Stück sei in allen Filmen identisch verwendet worden. Tatsächlich entwickelte sich die Musik von Film zu Film weiter – doch Williams' ursprüngliche Melodie blieb das Herzstück der Reihe.
Der Mann mit den meisten Nominierungen nach Walt Disney
Williams' Erfolgsbilanz liest sich fast unglaublich.
Mit mehr als 50 Oscar-Nominierungen zählt er zu den meistnominierten Menschen der Filmgeschichte. Nur Walt Disney erhielt noch mehr Nominierungen.
Dabei arbeitete Williams über sechs Jahrzehnte hinweg auf höchstem Niveau – eine Seltenheit selbst in Hollywood.
Bescheiden trotz Weltkarriere
Wer Kollegen fragt, hört immer wieder dieselbe Beschreibung: höflich, ruhig und bescheiden.
Während viele Stars Schlagzeilen produzierten, blieb Williams lieber am Dirigentenpult. Dort wirkte er oft eher wie ein Universitätsprofessor als wie einer der berühmtesten Musiker der Welt.
Vielleicht liegt genau darin ein Teil seines Erfolgs.
Das Vermächtnis
Es gibt Komponisten, die großartige Musik schreiben. Und es gibt Komponisten, deren Musik Teil der Kultur wird.
John Williams gehört zur zweiten Kategorie.
Seine Melodien begleiten Raumschiffe, Dinosaurier, Zauberer, Archäologen und Außerirdische. Sie wurden von Millionen Menschen gepfiffen, gesummt und gespielt.
Und während Beyoncé die Grammy-Rekorde anführt und Walt Disney die Oscar-Geschichte dominiert, bleibt John Williams der Mann, der die vielleicht größte Sammlung unvergesslicher Melodien geschaffen hat – ein Komponist, dessen Werke längst genauso berühmt sind wie die Filme, für die sie geschrieben wurden.

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