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Weißt du noch? - Der Quelle-Katalog – Als Weihnachten schon im Herbst begann

Weißt du noch? - Der Quelle-Katalog – Als Weihnachten schon im Herbst begann
(Bild: KI-generierte Illustration)


Er war dick, schwer und lag irgendwann im Herbst plötzlich auf dem Wohnzimmertisch: der neue Quelle-Katalog. Eigentlich konnte man darin fast alles finden, was ein Haushalt brauchen konnte. Kleidung, Möbel, Fernseher, Waschmaschinen, Geschirr und vermutlich noch Dinge, von denen man bis dahin gar nicht wusste, dass man sie brauchte.

Für Kinder waren allerdings nur wenige Seiten wirklich wichtig.

Ganz hinten wartete das Spielzeug.

Und spätestens dort begann Weihnachten.

Ein Katalog wie ein halbes Telefonbuch

So ein Versandhauskatalog war kein kleines Werbeheftchen. Das Ding hatte Gewicht.

Man konnte stundenlang darin blättern. Seite für Seite, Abteilung für Abteilung. Und weil es noch keinen Online-Shop gab, war dieser Katalog tatsächlich das Schaufenster für zu Hause.

Die Erwachsenen verglichen Pullover, Gardinen oder Haushaltsgeräte. Kinder entwickelten dagegen eine erstaunliche Fähigkeit: Sie fanden die Spielzeugseiten innerhalb weniger Sekunden.

Wo genau sie lagen, wusste man irgendwann auswendig.

Hier bitte, lieber Weihnachtsmann!

Nur anschauen reichte natürlich nicht.

Interessante Dinge wurden eingekreist, mit einem Kreuz versehen oder mit einem Pfeil markiert. Wer besonders gründlich arbeitete, schrieb gleich die Seitenzahl auf den Wunschzettel.

Dabei konnte es durchaus passieren, dass nach einigen Tagen erstaunlich viele Kreise im Katalog zu finden waren.

Das bedeutete selbstverständlich nicht, dass man alles haben wollte.

Man wollte den Eltern lediglich verschiedene Möglichkeiten anbieten.

So jedenfalls die offizielle Erklärung.

Auf den Spielzeugseiten war alles möglich

Diese Seiten waren eine eigene kleine Welt.

Puppenhäuser standen neben Autorennbahnen, Baukästen neben Brettspielen und irgendwo wartete genau das Fahrrad, die Modelleisenbahn oder das ferngesteuerte Auto, das man unbedingt brauchte.

Besonders gemein waren die Fotos.

Das Spielzeug war perfekt aufgebaut, alle Figuren standen an ihrem Platz und die Kinder auf den Bildern hatten offenbar das glücklichste Leben überhaupt.

Natürlich wollte man sofort dazugehören.

Dass das eigene Kinderzimmer nach spätestens zehn Minuten Spielen ganz anders aussehen würde, spielte bei der Kaufentscheidung keine Rolle.

Der Preis gehörte leider auch zum Bild

Irgendwann kamen die Eltern dazu.

„Was wünschst du dir denn zu Weihnachten?“

Endlich!

Also wurde der Katalog geholt und voller Begeisterung aufgeschlagen.

„Das hier!“

Kurze Pause.

Dann dieser besondere Gesichtsausdruck, den Eltern offenbar automatisch beherrschten, sobald sie den Preis gesehen hatten.

„Hast du vielleicht noch einen anderen Wunsch?“

Natürlich hatte man den.

Er war nur leider auf der nächsten Seite genauso teuer.

Und dann kam das Paket

Wenn tatsächlich etwas bestellt wurde, begann das Warten.

Keine Sendungsverfolgung zeigte an, dass das Paket gerade drei Straßen entfernt im Lieferwagen lag. Man wusste schlicht nicht genau, wann es kommen würde.

Irgendwann klingelte es.

Und plötzlich stand da ein großer Karton.

Vor Weihnachten wurde der allerdings häufig erstaunlich schnell aus dem Blickfeld von Kindern entfernt. Schließlich durfte niemand erfahren, was sich darin befand.

Was selbstverständlich dazu führte, dass man erst recht wissen wollte, was sich darin befand.

Nicht nur Kinder blätterten

Der Quelle-Katalog gehörte für viele Familien zum Alltag.

Hier wurde nach einer neuen Winterjacke gesucht, dort nach Schuhen oder Bettwäsche. Möbel wurden ausgesucht, Elektrogeräte verglichen und gelegentlich Dinge bestellt, die im Geschäft vor Ort gar nicht erhältlich waren.

Manchmal wurde der Katalog sogar innerhalb der Familie weitergegeben.

Und wehe, jemand hatte die Ecke einer wichtigen Seite umgeknickt oder ausgerechnet dort etwas herausgeschnitten.

Das Internet vergisst nichts.

Ein Versandhauskatalog dagegen konnte nach einigen Monaten ziemlich mitgenommen aussehen.

Heute würden wir einfach klicken

Heute dauert die Suche nach einem Weihnachtsgeschenk oft nur wenige Minuten. Begriff eingeben, Bewertungen lesen, Preise vergleichen, bestellen.

Praktischer geht es kaum.

Aber dabei fehlt dieses besondere Blättern.

Das zufällige Entdecken einer Seite. Der große Kreis mit dem Kugelschreiber. Und die wochenlange Hoffnung, dass die Eltern beim Durchsehen des Katalogs den entscheidenden Hinweis wirklich verstanden haben.

Weißt du noch?

Vielleicht lag der Quelle-Katalog auch bei euch zu Hause. Oder es war Neckermann, Otto oder ein anderer großer Versandkatalog.

Vielleicht erinnerst du dich sogar noch daran, wie du auf dem Teppich lagst, die Spielzeugseiten vor dir und einen Stift in der Hand.

Eigentlich war Weihnachten noch Wochen entfernt.

Aber in Gedanken stand der Wunschzettel längst fest.

Man musste nur noch dafür sorgen, dass Mama und Papa die richtigen Kreise im Katalog fanden.

Jens 4. Oktober 2026, 09:00 24 0 Kommentare Drucken

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