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Weißt du noch? - Videothek – Freitagabend einen Film ausleihen

Weißt du noch? - Videothek – Freitagabend einen Film ausleihen
(Bild: KI-generierte Illustration)


Freitagabend. Das Wochenende lag vor einem und irgendwann kam die Frage auf: „Wollen wir heute einen Film gucken?“

Heute wäre das der Moment, in dem jemand den Fernseher einschaltet und durch mehrere Streamingdienste scrollt. Früher bedeutete diese Frage häufig etwas ganz anderes.

Jacke an, ins Auto oder aufs Fahrrad – und ab in die Videothek.

Dort warteten Hunderte Filme in langen Regalen. Und manchmal dauerte die Auswahl des richtigen Films fast genauso lange wie der Film selbst.

Erst einmal durch die Regale

Eine Videothek hatte ihren ganz eigenen Reiz.

Action, Komödie, Thriller, Horror, Kinderfilme – jede Abteilung wollte durchsucht werden. Man nahm eine VHS-Hülle aus dem Regal, drehte sie um und las die Beschreibung auf der Rückseite.

Trailer anschauen? Bewertungen von Tausenden anderen Zuschauern lesen?

Fehlanzeige.

Ein spannendes Cover, drei Fotos auf der Rückseite und ein paar Sätze mussten reichen.

Und manchmal stellte man zwei Stunden später fest: Das Cover war eindeutig besser als der Film.

Die Neuheiten waren heiß begehrt

Besonders interessant war natürlich das Regal mit den neuen Filmen.

Dort konnte allerdings die erste Enttäuschung des Abends warten.

Die Hülle stand im Regal – aber der Film war bereits ausgeliehen.

Also musste Plan B her.

Oder Plan C.

Bei besonders beliebten Filmen fragte man sogar an der Theke nach:

„Wissen Sie, wann der wieder zurückkommt?“

Vielleicht morgen.

Das half einem für den heutigen Filmabend ungefähr gar nicht.

„Den kenne ich schon!“

Richtig kompliziert wurde die Sache, wenn mehrere Personen gemeinsam einen Film aussuchten.

„Den hier?“

„Kenn ich schon.“

„Und den?“

„Mag ich nicht.“

„Der soll gut sein.“

„Wer sagt das?“

So konnte man erstaunlich viel Zeit zwischen zwei Regalen verbringen.

Bei vier oder fünf Leuten einen Film zu finden, den niemand kannte und gleichzeitig alle sehen wollten, war eine organisatorische Meisterleistung.

Irgendwann wurde einer genommen.

Nicht unbedingt, weil alle begeistert waren, sondern weil man langsam nach Hause wollte.

Der Filmabend begann schon in der Videothek

Viele Videotheken wussten ziemlich genau, was ihre Kunden für einen gelungenen Abend brauchten.

Neben den Filmen gab es Süßigkeiten, Chips, Popcorn oder Getränke. Damit konnte man die Versorgung gleich mit erledigen.

Zu Hause wurde anschließend alles vorbereitet: Getränke auf den Tisch, Chipstüten auf, Licht etwas dunkler – und die Kassette in den Videorekorder.

Dann konnte es losgehen.

Zumindest theoretisch.

Bitte zurückspulen!

Denn manchmal erschien nach dem Einlegen zunächst etwas ganz anderes als der Filmanfang.

Der Abspann.

Der Kunde vorher hatte die Kassette nicht zurückgespult.

Also drückte man auf „Rewind“ und hörte dem Videorekorder eine Weile bei der Arbeit zu.

Das gehörte zum VHS-Zeitalter einfach dazu.

Viele Videotheken erinnerten deshalb ihre Kunden freundlich daran, die Kassette vor der Rückgabe zurückzuspulen.

Wer es vergessen hatte, machte sich damit zumindest beim nächsten Zuschauer nicht unbedingt beliebt.

Zurückbringen nicht vergessen

Nach dem Film war die Sache noch nicht erledigt.

Die Kassette gehörte schließlich der Videothek.

Je nach Tarif musste sie am nächsten oder übernächsten Tag zurückgebracht werden. Wer das vergaß, durfte unter Umständen nachzahlen.

Also lag die VHS-Kassette am Samstag gut sichtbar irgendwo herum, damit bloß niemand vergessen konnte, sie wieder abzugeben.

Und trotzdem passierte genau das gelegentlich.

Montagmorgen konnte ein vergessenes Wochenende plötzlich erstaunlich teuer werden.

Irgendwann kam die DVD

Später verschwanden die großen VHS-Hüllen nach und nach aus den Regalen. DVDs übernahmen ihren Platz.

Das Bild wurde besser, Zurückspulen war Geschichte und plötzlich gab es Bonusmaterial, verschiedene Sprachen und manchmal mehrere Filmversionen auf einer einzigen Scheibe.

Die Videothek blieb trotzdem zunächst erhalten.

Bis das Internet und schließlich Streamingdienste dafür sorgten, dass wir für einen Filmabend das Haus überhaupt nicht mehr verlassen mussten.

Heute haben wir mehr Auswahl als je zuvor

Eigentlich ist es heute viel einfacher.

Tausende Filme stehen jederzeit zur Verfügung. Wir können suchen, Empfehlungen ansehen und innerhalb weniger Sekunden starten.

Nur ein Problem scheint geblieben zu sein.

„Was wollen wir gucken?“

Eine halbe Stunde später sitzt man immer noch vor dem Fernseher und sucht.

Vielleicht war die Videothek also gar nicht das Problem.

Weißt du noch?

Vielleicht hattest du auch eine Stammvideothek. Vielleicht kanntest du die Mitarbeiter, hattest eine Kundenkarte im Portemonnaie und wusstest genau, in welchem Regal du zuerst suchen musstest.

Und vielleicht erinnerst du dich noch an Freitagabende, an denen du mit einer VHS-Kassette oder DVD unter dem Arm nach Hause gegangen bist.

Der Filmabend hatte da längst begonnen.

Denn manchmal gehörte die Suche nach dem richtigen Film einfach mit zum Programm.

Jens 11. Oktober 2026, 09:00 10 0 Kommentare Drucken

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